Zwischen Nähe und Abgrenzen – Wie bei Krebs mit dem Umfeld sprechen? · Folge 3

Shownotes

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Welchen Stellenwert haben gute Beziehungen nach einer Krebsdiagnose? Wie mit der Familie, mit Freund:innen, Kolleg:innen und Vorgesetzten reden? Zu Gast sind Christian (Mundrachenkrebs, früher Hodenkrebs sowie Prostatakrebs) Martin (Morbus Waldenström/Lymphoplasmozytisches Lymphom) und Thomas (Hautkrebs). Ich will von Ihnen wissen, ob und wie der Austausch mit Familie, Verwandten und Freundeskreis sie in schwierigen Zeiten unterstützt hat – und ob sich dadurch das Gefühl des Alleinseins mit der Diagnose schmälert.

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Reha:

Hinweis: Die Inhalte dieses Podcasts ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Sie geben persönliche Erfahrungen von Betroffenen wieder und sollen zum Nachdenken anregen, Orientierung bieten und Gespräche ermöglichen. Kläre gesundheitliche Fragen immer mit deinem ärztlichen Team.

Transparenzhinweis: In der ursprünglich veröffentlichten Fassung dieser Folge hatte ich bei Christians Krebserkrankungen Zungengrundkrebs angeführt. Später hat sich herausgestellt, dass es sich um Mundrachenkrebs handelte. Die entsprechenden Stellen habe ich korrigiert.

Host, Redaktion, Produktion: Alexander Greiner; Sound Design: Happy House Media, Asta Krejci-Sebesta, Tatjana Lukáš; Musik/Signation: Cool My Bass – BalloonPlanet; Titelsprecher: Stephan Andrejs; Cover: Studio Mana, Romana Reisenberger; Foto: Franzi Kreis

Gefördert durch die Wirtschaftsagentur Wien. Ein Fonds der Stadt Wien. Realisiert in redaktioneller Unabhängigkeit.

Impressum

Transkript anzeigen

00:00:00: Da geht es nicht um Geld, da geht es nicht um Sachleistungen, da geht es wirklich um... Da raufst du um den Train dafür und du meinst, geht es halt gut, können wir

00:00:15: kurz

00:00:16: reden.

00:00:22: Was

00:00:23: tut man mit Krebs?

00:00:24: Was hilft, was hilft nicht?

00:00:26: Und wie könnte es besser sein?

00:00:28: Darum geht es in diesem Podcast.

00:00:30: Im Fall einer Diagnose wie Krebs glauben Männer, die Sache mit sich selbst ausmachen zu müssen, da nehme ich mich gar nicht selber aus.

00:00:37: Bei meiner ersten Diagnose habe ich nur ganz wenigen Menschen davon erzählt.

00:00:40: Wie gut es sich anfühlt, den Krebs nicht zu verstecken, habe ich erst nach der zweiten Diagnose gemerkt.

00:00:46: In dieser Folge geht es genau darum, wie sinnvoll ist es, mit anderen Menschen darüber zu sprechen?

00:00:52: Sollte es nur das engste Umfeld sein oder vielleicht sogar ein weiterer Kreis?

00:00:56: Und kann das einweilen, andere Menschen in die eigene Krise erleichtern zu sein?

00:01:01: Mein erster Interviewgast ist Christian.

00:01:04: Er kann mittlerweile drei Krebsdiagnosen in seinem Lebenslauf verbuchen.

00:01:16: Das zirkt an die Hosen-Aure.

00:01:18: Hodenkrebs war das damals und leider dauerte die Diagnose-Stellung sehr lange, weil es ein Arzt damals lediglich eine Hodenentzündung vermutete.

00:01:26: Seither sagt Christian.

00:01:27: Also wegen jener vermeintlichen Fehldiagnose holte sich immer eine Zweitmeinung ein.

00:01:33: Mehr über Zweitmeinungen hast du ja schon in der vorigen Folge gehört.

00:01:36: Die zweite Diagnose erhält Christian fast zwanzig Jahre später.

00:01:40: Das war auf dem Jahr zwei Tausend Siebzehn.

00:01:43: Trafgekommen war er mehr oder weniger selbst.

00:01:46: Denn sensibilisiert durch den Hodenkrebs ließ er zwischen den beiden Diagnosen regelmäßig sein Blut untersuchen.

00:01:52: Und so kam er eben drauf, dass der Prostator-Wert der PSA-Wert steigt.

00:01:56: Die Prostator

00:01:57: wurde biopsiert, also

00:01:58: da wurden Gewebeproben entnommen, die waren positiv und daraufhin wird ihm dann die Prostator mittels Roboter-Kirurgie entfernt.

00:02:05: Naja und Ende des Jahrzehntes erhielt er dann die dritte Diagnose.

00:02:10: Lünft durch den Krebsrand im Ja, im Häuserbittlern, im Mundbereich, hinten da irgendwo, Zungengrund, wie das heißt.

00:02:18: Das war für ihn bisher die

00:02:20: schwierigste Diagnose,

00:02:22: weil die

00:02:22: Therapie körperlich sehr anstrengend war.

00:02:25: Es stellte sich dann auch raus, dass es gar nicht Lymphdrüsenkrebs, sondern Mundrachenkrebs mit Lymphdrüsenmetastasen

00:02:32: war.

00:02:33: Ich habe ihn

00:02:33: für diese Folge gefragt, wie ihn sein Umfeld unterstützt hat.

00:02:41: Und ich weiß, dass ich das auch alles nicht vorstellen kann, in den sechsten Wochen nichts essen.

00:03:06: Das Einzige, was man Gott sei Dank geblieben ist, der Frühjahr, der Kaffee.

00:03:11: Den habe ich zumindest zu sechzig Prozent geschmeckt, also das KDS, sondern ein Kaffee.

00:03:17: Also dieses Koffein ist das Einzige, was ich häufig vertragen habe.

00:03:25: mich so gerne schon abgefahren und zumindest, ob man so ein bisschen an den Stillen lassen müssen und wegschieten will, aber der Kaffee hat mich aufgebaut.

00:03:34: Weil ich war total trocken im Mund und Haus und alles und verschleimte, weil ich ja Zeitlang komplett verschleimte.

00:03:42: Und der Kaffee hat das alles wieder irgendwie in der Früh, also ohne Kaffee, weil das nicht geschah.

00:03:47: Wenn ich den auch nicht trinken würde können, ich weiß nicht, wie man das geschafft hätte.

00:03:53: Ein Kaffee angelt, also das war mein einziger Lichtblick, der Kaffee der Fall.

00:03:59: Bei dem vielen Zuspruch gab es damals auch irgendwie Gegenstimmen, die irgendwie gesagt haben, na, warum machst du diese Therapie?

00:04:06: Na, na, na, na, na.

00:04:08: Mit die Helimen im Auge ihm.

00:04:10: Zumindest in der Zeit Lawiri.

00:04:12: Das ist wie in der Corona-Zeit, wo immer von einem Cousin, zum Beispiel, WhatsApps gewirkt haben und so.

00:04:18: Und Berichte, was für ein Schwachsinn die Impfungen sind.

00:04:22: Den habe ich von Facebook ausgekauft.

00:04:25: Ich wollte mit denen nichts tun haben.

00:04:27: Zumindest in der Zeit.

00:04:29: Jetzt geht's dir so.

00:04:31: Blätten, Dingspots, Messen, Nimmmer.

00:04:33: Noch dazu was ihm empfangen ist.

00:04:37: Wenn's ein Blättsinn ist und ich krieg's, ich schanke's gar nicht alle lesch.

00:04:41: Aber das hätte ich mir gar nicht erlaubt, dass ich das bekomme.

00:04:45: Die hätten bei mir keine Chance gehabt.

00:04:46: Nein, nein.

00:04:47: Weil mein Wille, der war so stark.

00:04:49: Hast

00:04:50: du dann viel Zeit mit

00:04:51: deinem Umfeld verbracht, während der Therapie?

00:04:55: Es hat mir wenig Spaß gemacht, wegzugehen.

00:04:57: Ich hab mit meinen eigenen vier Wänden wohlgefühlt.

00:05:01: beschützt gefühlt, dass mir keiner ansteckt.

00:05:06: Und, ja, ich war gern allein.

00:05:10: Ich war gern zu Hause und auch gern allein.

00:05:13: Und auch im Bekanntenkreis und so haben sie immer gesagt, hey, mach das, was da gut wird.

00:05:18: Mach nix, was da nicht Spaß macht, was da nicht gut wird.

00:05:22: Und ich habe mir wirklich gehen lassen, gehen lassen.

00:05:24: Das ist mir am meisten gut.

00:05:26: Mehr über Christian und auch über seine ersten beiden Krebsdiagnosen gibt's dann später in diesem Podcast.

00:05:31: Da erscheint dann das ganze Gespräch mit ihm als separate Folge.

00:05:34: Also gleich abonnieren, damit du keine Folge versäumst.

00:05:38: Mein zweiter Gesprächspartner ist Martin.

00:05:40: Er hat die Diagnose Morbus Waldenström.

00:05:44: Sie zählt zu den seltenen Erkrankungen und gehört zur Gruppe der Non-Hodge-Kündel-Pfome.

00:05:48: Martin hat die Diagnose zwar schon schwarz auf weiß bekommen, allerdings glücklicherweise ist die Krankheit bei ihm noch nicht ausgebrochen.

00:05:56: Dennoch war er vollkommen nachvollziehbar, bis zum definitiven Befund in einem, wie er selbst sagt, mega nervösen Zustand.

00:06:03: Ja, da muss ich wieder sagen, da habe ich gute Freunde gehabt, die was mich unterstützt haben, aufgebaut haben.

00:06:08: Wir haben als erstes alle noch gesagt, du hast keinen Krebs, das ist nix.

00:06:11: Die wollen nur sicher gehen.

00:06:13: Wir haben ein bisschen beruhigt, ganz geschaffen kannst, dass nie werden Menschen.

00:06:18: Aber ich bin ein bisschen runtergekommen.

00:06:20: Und auf jeden Fall, wie dann die Krebs-Diagnose da war, sonst zu mir kommen, weil ich weiß von dem Tag, glaube ich, nur mal vierzehn Prozent.

00:06:31: Das war in der Früh.

00:06:33: Und bis am Abend, bis ich laufen gegangen bin, war alles im Nebel.

00:06:36: So ziemlich, ja.

00:06:37: Du hast gesagt, die Freunde haben dir da Kolf in den Rückhalt gegeben.

00:06:39: Das heißt, du hast auch gleich mit vielen oder mit engen Kontakten drüber gesprochen?

00:06:46: Ja, mit zwei am Anfang.

00:06:47: Okay.

00:06:48: Und dann habe ich es auch in meiner damaligen Firma bekannt, und dort habe ich auch Rückentwicklung und Stärkung bekommen.

00:06:56: Mhm.

00:06:56: Ja.

00:06:57: Mhm,

00:06:58: voll gut.

00:06:58: Ja.

00:06:59: Weil ich hab schon gehört von anderen Leuten, oh, du hast geregst und wir haben jetzt wohl nichts zu tun haben.

00:07:04: Aber zum Glück war das bei mir nicht so.

00:07:06: Okay, wirklich?

00:07:06: Ja.

00:07:08: Aber da sind dann keine Freunde, von denen kann man sich ruhig trennen.

00:07:12: Ist aber wahrscheinlich auch schwierig, wenn es vielleicht wenig Kontakte hast und dann

00:07:17: ...

00:07:18: Sollte von denen vielleicht auch nur trennen?

00:07:22: Die Kontakte, was ich jetzt habe, hab auf die Kanäle rückhaltlos verlassen.

00:07:25: Und sie sich auf mich auch ... Ich brauch nicht viel Freund.

00:07:29: Ich brauche gute Freunde.

00:07:31: Ich brauche Freunde, die was hinter dir stehen, dann mal auf die Schulter gelaufen und sagen, das wird schon, das kriegen wir hin und so weiter.

00:07:38: Und nicht Leute, die was dann blöd hinter dir reden.

00:07:41: Was würdest du sagen, wie kommt es dazu, dass eine Freundschaft zu einer guten Freundschaft entwickelt?

00:07:47: Das Vertrauen.

00:07:50: Wenn du an Menschen vertrauen kannst und das Vertrauen auch retuern bekommst, dann entwickelt sich, sag ich, für mich eine gute Freundschaft.

00:08:00: Da geht es nicht um Geld, da geht es nicht um Sachleistungen, da geht es wirklich um... Da raufst du um den Trainer vor und wenn geht es nicht gut, kann man kurz reden.

00:08:10: Und wenn du das beim Menschen hast, dann sind es gute Freunde, sehr gute Freunde.

00:08:15: Das heißt, du redest, wenn es wieder kurz vor dem Blutbefund steht, vor der Blutabnahme oder vor der internistischen Untersuchung, redest du auch dann mit deinen Freunden drüber?

00:08:25: Ja, ich sage Ihnen schon, du jetzt haben in einer Woche wieder Blut und in vierzehn Tagen dann wieder... Befür Unbesprechung rufen wir nachher an, sagen wir mal was rauskommt.

00:08:37: Und das ist, was ich an meinen Freunden so liebe.

00:08:40: Ja voll gut, mal gratulierter.

00:08:42: Danke dir.

00:08:44: Hast du das Gefühl, dass sie Männer schwerer tun über Krebs zu sprechen als Frauen?

00:08:50: Ich aus meiner Warte her nicht, weil ich war immer schon ein bisschen ein extrovertierterer Mensch und mir ist nicht schwer gefallen.

00:08:59: Die Wissen der Sonne erzählt es nicht.

00:09:01: Also mein Generaldirektor von der Firma erzählt es nicht.

00:09:04: Den braucht es auch nicht interessieren.

00:09:06: Aber in meinem Bekannten aus Vorenderskreis die wissen es alle und ich habe kein Problem damit umzugehen.

00:09:12: Die Leute sollen auch wissen, wer ich bin und was mich zu dem gemacht habe, was ich jetzt bin.

00:09:19: Weil ich habe in den letzten eineinhalb Jahre natürlich auch eine seelische Wandlung gemacht und bin innerlich Anders jetzt.

00:09:32: Sag mal, ich bin ruhiger, ich bin gelassener.

00:09:35: Mir kann nicht so schwer was erschüttern, weil ich eben schon ative Wartsche gekriegt habe.

00:09:41: Dass einen nach so einer Diagnose weniger als

00:09:45: zuvor

00:09:45: erschüttert, kann ich gut nachvollziehen.

00:09:48: Rein subjektiv betrachtet kommt mir vor, dass es auch anderen Männern nach einer Krebsdiagnose so geht.

00:09:54: Scheinbar wächst bei manchen oder vielen die Resilienz durch so eine Diagnose.

00:09:59: Eine positive Vernebenwirkung in all dem Unglück?

00:10:02: Schreib mir gerne an podcastatalexandergreiner.com, was du dazu denkst.

00:10:07: Manchmal kann eine Offenheit wie Martin sie praktiziert auch eine Kehrseite haben.

00:10:13: Es fallen dann Kommentare unerwartet, unangenehm, die wir sogar übergriffig sein können, das hat Christian Vorhin ja auch schon beschrieben.

00:10:22: Manchen unserer Mitmenschen ist das vielleicht gar nicht bewusst.

00:10:26: Mir selber ist das damals auch passiert.

00:10:28: Ich schätze davor, dass es wirklich niemand gefällt.

00:10:31: Wie viele unverlangte Ratschläge habe ich erhalten.

00:10:34: Sicher um einiges mehr als jene, an die ich mich heute noch erinnern kann, weil sie besonders treist waren.

00:10:40: Nicht nur deshalb sollte es immer eine höchst individuelle Entscheidung sein, wie weit die eigene Offenheit geht.

00:10:46: Auch Martin hat leider negative Erfahrungen gemacht.

00:10:50: Ja, Krebs, wie kann man Krebs kriegen?

00:10:52: Es geht so möglich, das kann es nicht sein, so weiter.

00:10:56: Ja, einfach Verständnis für, ja, alles waren zwei.

00:11:01: Und von denen habe ich mich halt getrennt, weil negative Einstellung brauche ich in dieser Situation nicht.

00:11:08: Wie ging's dir damit?

00:11:09: Das ist ein schlechtes Mädchen.

00:11:10: Das

00:11:11: war schon schlimm für mich, weil ich diese besondere und langere Zeit kannte.

00:11:16: Aber was mir nicht gut tut, das kommt weg von mir.

00:11:22: Hast du das dann gleich gemerkt, dass das nicht gut war?

00:11:25: Nein,

00:11:26: das hat dann ein bisschen dauert.

00:11:28: Aber wie ich es dann innerlich bemerkt habe, das tut man nicht gut mit den Leuten.

00:11:33: Habe ich mich verabschiedet von ihnen.

00:11:36: Dafür fragen, wie hast du es gemerkt?

00:11:39: In dem ich mich in ihrer Gegenwart nicht wohlgefühlt habe.

00:11:44: Komische Blicke und komische Aussagen.

00:11:49: Das ist man dann bewusst daran und das brauche ich mein Leben nicht.

00:11:52: Ich weiß, Streit gibt es immer, gibt es überall, aber wenn man dann merkt, es dauert an, es geht nicht weg.

00:12:02: Solltest du die Freundschaft auslaufen lassen oder hast du echt gesagt, ich will mit dir keinen Kontakt mehr?

00:12:06: Auslaufen

00:12:06: lassen.

00:12:08: Auslaufen lassen.

00:12:09: Kontakt immer weniger werden lassen, sonst weiter bis auf den Hohepunkt.

00:12:15: Gab es damals Irritationen vom Gegenüber?

00:12:18: Eigentlich

00:12:18: nicht.

00:12:18: Okay.

00:12:20: Spannend?

00:12:20: Ja.

00:12:22: Ja, dann war es keine richtige Freundschaft.

00:12:25: Dann war es nur, ja, gehen wir was unternehmen und ausbeziehen.

00:12:32: Gerade in einer Krisensituation wie Krebs ist solch ein Abgrenzen wichtig, um gut auf den eigenen Energiehaushalt zu schauen.

00:12:39: Das beschreibt auch mein dritter Gast.

00:12:41: Wenn er auch im Vergleich weniger offen mit seiner Diagnose umgeht, eher viel mit sich selbst ausmacht, alleine darüber reflektiert und sich nicht so gerne mit anderen austauscht.

00:12:51: Du kennst ihn bereits aus der ersten Folge, Thomas.

00:12:55: Er hat Hautkrebs.

00:12:56: Das Gespräch mit ihm habe ich in seinem Geschäft geführt, du wirst ein paar Hintergrundgeräusche hören.

00:13:02: Ich habe ihn nach jenen Momenten befragt, in denen er beim Alleine drüber nachdenken nicht auf einen grünen Zweig kommt und mit wem er sich dann berät.

00:13:10: Das hat man natürlich auch ab und zu.

00:13:13: Also, der Tag hat vierundzwanzig Stunden, das Monat hat dreißig Tage, das Jahr dreiundsechzig Tage.

00:13:18: Also, wenn man dann mal ein paar Minuten irgendwann mal grült in einem Jahr, geht es natürlich jetzt unter im Gesamtkontext.

00:13:24: Aber im Prinzip tausche ich mich jetzt... Vielleicht ein Bild mit einer Freundin auskutzt, aber die möchte ja nicht so viel hören davon.

00:13:34: Man arrangiert sich damit, wie gesagt, man schaltet dann schnell wieder in diesen Verdrängungsmodus und denkt so, wo ich da bringe nix her.

00:13:41: Also man schmeißt das weg von sich.

00:13:44: Also man ignoriert das.

00:13:47: Weil man sieht dann wieder Besinn, dass man sagt, okay, ich habe eine Vereinbarung mit mir getroffen.

00:13:50: Ich mache das Beste draus.

00:13:52: Und das bringt nichts, wenn ich wieder in irgendeine Gedankenschleife kommen würde.

00:13:56: Weil es keinen Sinn macht.

00:13:57: Gibt's irgendwelche Begriffe

00:13:59: oder Sager

00:14:02: in Bezug auf deine Krebserkrankung oder auf den Leben von anderen, die dich nerven?

00:14:07: Du denkst so, warum sagst du das jetzt?

00:14:09: Nein, vielleicht hat's mich früher genervt, aber ich find's eigentlich schön.

00:14:14: Also das ist diese Verharmlosen.

00:14:15: Ah, das ist ja normaler Nom, da kann nichts passieren oder dieses oder jenes, ja.

00:14:19: Und ist keinen Zug oder bla, bla, bla.

00:14:22: Ich bin froh, dass wir nicht wissen, was es bedeutet, mit so einer Diagnose zu leben, weil das wünscht mir niemanden.

00:14:28: Und ich sehe das dann eigentlich relativ gelassen.

00:14:32: Aber so wirklich, so wirklich nerven kann ich jetzt eigentlich nichts sagen.

00:14:36: Also man hört, wie es doch gehört hat, die unterschiedlichsten Sachen.

00:14:40: Also entweder, dass wir in der Aussiedel schon behandelt wirst, dass sie denken, Gottes Willen.

00:14:44: Und ansonsten, dass man halt gemieden wird, dann wird man halt gemieden.

00:14:49: Ich meide auch viele Leute in der Hand, da würde ich dann gehen.

00:14:56: Man arrangiert sich damit, aber wenn ich das an mich heranlassen würde, dann würde ich mir vielleicht Gedanken machen, ob man es nicht nervt, aber wenn man es nicht an sich heranlässt, dann kann einem auch nichts nerven.

00:15:07: Manche Bewältigungstrategie ist vielleicht dem eigenen Charakter geschuldet, vielleicht ist sie aber auch von äußeren Umständen beeinflusst, also von den Rahmenbedingungen, in denen ich mich als Krebspatient gerade wieder finde.

00:15:21: Dann könnte es sein, dass der Austausch mit anderen möglicherweise gar nicht so einfach ist.

00:15:25: Thomas hat die Diagnose nämlich im Jahr zwanzig bekommen.

00:15:29: Das war Lockdown.

00:15:30: Ja.

00:15:30: Es hat von der Krebshilfe eben Informationen gegeben, dass es so Selbsthilfegruppen gibt oder ich weiß nicht was, aber das beim Lockdown alles unholt.

00:15:42: Ich war dann eh einmal bei dir oder zweimal, zweimal glaube ich, zweimal, aber da musste man immer einen Coronatest machen.

00:15:48: beim Dritten, da habe ich keinen aktuellen Coronatest gehabt, deswegen weiß ich es dritte mal

00:15:50: nicht mehr mehr.

00:15:53: Und live dann quasi nach dem Lockdown, aber ansonsten habe ich mich nicht wirklich so viel ausgetauscht.

00:16:02: Das erste Mal, dass ich bewusst andere Krebskranke gesehen habe, war bei dir bei dieser Gruppe.

00:16:08: Und das zweite Mal war dann, als ich auf Reha war.

00:16:12: Das war aber zwei Jahre nach der Diagnose,

00:16:15: glaube

00:16:15: ich.

00:16:16: Ja, zwei Jahre nach der Diagnose war ich auf Reha.

00:16:19: Und da waren auf einmal hundertfünfzig Leute.

00:16:22: Und dann dachte ich, so tragisch ist es nicht mehr.

00:16:26: Man ist ja kein Einzelschicksal.

00:16:28: Also das Leben muss weitergehen.

00:16:30: Und bis jetzt hatte ich ja Glück.

00:16:33: Nur mein Staging sagt mir dazu, quasi die Untersuchung ist überfällig, weil ich keine Zeit gehabt habe.

00:16:39: Also jetzt habe ich eigentlich schon, ich sollte am Anfang immer alle drei Monate, dann alle sechs Monate

00:16:46: und

00:16:47: das richtige letzte Untersuchung habe ich vor einem Jahr gemacht.

00:16:50: Na servus, das sitzt.

00:16:53: Ganz ehrlich, am liebsten hätte ich Thomas gleich nach unserem Gespräch ins Krankenhaus geschleppt, damit er eine Kontrolle machen lässt.

00:17:00: Aber mir schon klar, das geht natürlich nicht.

00:17:03: Als Neoselbständiger kann ich es auch ein bisschen nachvollziehen.

00:17:07: Dennoch ist es mit der Nachsorge gleich wie mit der Früherkennung, die ja gemeinhin zur Vorsorge gezählt wird.

00:17:14: Je eher entdeckt, desto besser ist es.

00:17:17: Die Gruppe übrigens, von der Thomas spricht, ist die Selbsthilfegruppe für Männer mit Krebs, die ich seit Jahrzehnte und zwanzig für die österreichische Krebshilfe Wien moderiere.

00:17:26: Wenn du selber eine Gruppe suchst, um dich mit Gleichbetroffenen auszutauschen, frag am besten bei der nächstgelegenen Krebsberatungsstelle nach.

00:17:33: In den Show-Notes findest du links.

00:17:36: Die Take-Aways dieser Folge.

00:17:38: Christian erzählt, wie ihm der motivierende Zuspruch von seinem Umfeld und auch der Geschmack des morgendlichen Cafés geholfen hat.

00:17:46: Er beschreibt aber auch, wie wichtig es ist, dem nachzugehen, was einem gerade gut tut.

00:17:52: Martin beschreibt, wie seine zwei besten Freunde während der Diagnosephase für ihn da waren, sich um ihn sorgten, soziale Kontakte, denen er reinen Wein über seine Situation und Gefühlslage einschenkt und auf die er sich rückhaltlos verlassen kann.

00:18:08: Ich brauche nicht viel Freund.

00:18:09: Ich brauche gute Freund.

00:18:11: Denn von Menschen, in deren Gegenwart er sich nicht mehr wohlfühlt, trennt er sich.

00:18:16: Und obwohl Thomas eher einen anderen Weg zu gehen scheint und den Großteil offensichtlich mit sich selbst ausmacht, wird auch bei seiner Geschichte eines ganz klar.

00:18:26: Das Gefühl nicht allein zu sein, dass sich erst dann einstellt, wenn ich mich gegenüber anderen öffne.

00:18:33: Das ist die dritte Folge dieser ersten Staffel.

00:18:36: Zeit für eine Zwischenbilanz.

00:18:40: Wir haben uns erstens die Diagnose, zweitens das Abklären und Einholen von Zweitmeinungen und drittens eben jetzt das Gespräch über Krebs angesehen.

00:18:48: Dabei ist die Therapie, also die Behandlung, auch jedes Mal gestreift worden.

00:18:53: In der nächsten Folge geht es um die Folgen,

00:18:56: also

00:18:56: um die Folgen der Behandlung, also die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen.

00:19:01: Wieder werden drei Männer von ihren Erfahrungen berichten, einen kennst du bereits, wenn du die bisherigen Folgen gehört hast.

00:19:07: Für diesen Podcast bitte ich Mitgliedschaften.

00:19:10: drei Mitglieder haben sich seit dem Erscheinen der ersten Folgen schon als Unterstützer registriert.

00:19:15: Vielen Dank dafür.

00:19:16: Willst du auch dabei sein?

00:19:18: Dann schau rein unter alexandergreiner.com.

00:19:22: Du bekommst einen exklusiven Newsletter begleitend zu jeder neuen Podcastfolge und je nach Paket weitere Gutes.

00:19:29: Wenn dir dieser Podcast gefällt, gib ihm bitte eine fünf Sterne Bewertung.

00:19:32: Bis bald!

00:19:36: Die Inhalte

00:19:37: dieses Podcasts ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung.

00:19:41: Sie geben persönliche Erfahrungen von Betroffenen wieder und sollen zum Nachdenkenanregen Orientierung bieten und Gespräche ermöglichen.

00:19:48: Kläre gesundheitliche Fragen immer mit einem ärztlichen Team.

00:19:52: Hier ein Transparenz-Hinweis.

00:19:54: In der ursprünglich veröffentlichten Fassung dieser Folge war bei Christians Krebserkrankung der Eindruck entstanden, dass es sich um Lymphdrüsenkrebs handelte.

00:20:03: Später hat sich herausgestellt, dass es Mundrachenkrebs

00:20:05: war.

00:20:06: Diese Stelle habe ich korrigiert.

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